Jugendlichen Halt geben
Supra-f
  Ein Programm für gefährdete Jugendliche   français
     
     
     
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Die supra-f Forschung

Es ist ein Anliegen der evidenzbasierten Prävention, Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung klare Informationen über die Wirksamkeit von Präventionsmassnahmen zu geben. Die Begleitforschung des  supra-f Programms hatte den Auftrag, die Machbarkeit und Wirkungen des supra-f Ansatzes mit wissenschaftlichen Methoden zu überprüfen. Zuständig für die Begleitforschung war das Forschungszentrum für Rehabilitations- und Gesundheitspsychologie der Universität Fribourg.

Der Forschungsplan
Zur Anwendung gelangte ein quasi-experimenteller Forschungsplan mit Vergleichgruppen an den 12 Untersuchungsorten. Von anfangs 2000 bis Ende 2004 wurden alle neu in ein supra-f Programm eintretende Jugendliche erstmals befragt. Parallel dazu wurden die lokalen Vergleichgruppen (gefährdete Jugendliche ohne supra-f Intervention) gebildet. Bei Austritt, sowie nach 12 und 24 Monaten fanden Folgebefragungen bei Interventions- und Vergleichsgruppen statt.

Im Jahr 2005 wurden alle bisher erfassten rund 1230 Jugendlichen in eine Kohorte zusammengefasst. 2008 konnten von dieser Gruppe 831 (68%) ein letztes Mal befragt werden.

Erreicht supra-f die Zielgruppe der gefährdeten Jugendlichen?

Ziel von supra-f war, gefährdete Jugendliche frühzeitig zu erkennen und ihnen eine geeignete Förderung zukommen zu lassen. Die Erkennung sollte im Alltag der Jugendlichen durch die normalen Bezugspersonen erfolgen, also vor allem in der Schule, in der Familie oder am Arbeitsplatz. Hat das funktioniert?

Die Ergebnisse zeigen, dass die Zielgruppe tatsächlich gut erreicht wurde. Die supra-f Jugendlichen sind nachweislich stärker gefährdet als Jugendliche in einer Normalpopulation. Sie haben einen signifikant höheren Tabak- und Cannabiskonsum, sind gewaltbereiter, delinquenter und zeigen höhere internale Belastungen wie Ängstlichkeit, depressive Verstimmungen und Suizidabsichten. Auffallend ist auch die signifikant schlechtere soziale Ausgangslage der supra-f Jugendlichen: instabile Familienverhältnisse, Krankheit bei den Eltern, viele Umzüge, Schulwechsel, Klassenrepetitionen u.a.

Ein Präventionsprogramm sollte nicht nur die Zielgruppe gut erreichen, sondern sie auch im Programm halten können. Bei supra-f betrug die Haltequote 83%, was als gut gilt.

Die supra-f Programmtypen
Gefährdete Jugendliche sind keine homogene Gruppe. Sie unterscheiden sich u.a. deutlich im Grad der sozialen Integration bzw. Desintegration in Schule, Berufslehre und in der Familie. Die Forschung hat drei Typen von supra-f Programmen nach ihrer Betreuungsintensität unterschieden.

Typ A: Relativ bescheidene Infrastruktur, Programm von 4 bis 5 Stunden pro Woche. Eignet sich für jüngere, noch weitgehend integrierte Jugendliche im Schulalter. Die Prävention steht im Vordergrund.

Typ B: Gut ausgebaute Infrastruktur mit Schulungs- und Werkräumen, intensive Betreuung während 18 und mehr Stunde pro Woche. Eignet sich auch für sozial desintegrierte Jugendliche wie z.B. solche mit Schulausschluss oder Lehrabbruch.

Typ C: Tagesstruktur mit Vollprogramm von Montag bis Freitag für Jugendliche, die die Schule oder Lehre abgebrochen und keine Arbeit bzw. Lehrstelle haben.

Welche Wirkung haben supra-f Jugendprogramme?

Die Wirkungen von supra-f sollten nach dem Programmtyp bzw. dem Gefährdungsgrad der Jugendlichen beurteilt werden. Beim Programmtyp A für wenig gefährdete Jugendliche ist die Stabilisierung der Situation ein Erfolg. Bei den Programmtypen B und C, in denen stärker gefährdete Jugendliche teilnehmen, erwarten wir eine Verbesserung der Situation. Wie die untenstehende Tabelle zeigt, entsprechen die Ergebnisse diesen Erwartungen. Besonders positiv fallen die erheblichen Verbesserungen in der sozialen Integration von Typ B und C auf.

Programm

Sozial integriert

T1           T3 

Alkohol

ES

Tabak

ES

Cannabis

ES

Delinquenz

ES

Selbstwert

ES

Typ A

N=322

 

89%

85%

-.04

-.14

-.09

-.04

.14

Typ B

N=84

 

31%

62%

-.21

-.38

-.04

-.25

.18

Typ C

N=92

 

20%

62%

-.39

-.64

-.49

-.40

.35

VG

N=262

55%

84%

 

-.28

-.24

-.05

-.35

.24

VG = Vergleichsgruppe (andere als supra-f Interventionen)
T1 = Eintritt in Programm; T3 = 1-2 Jahre nach Austritt
ES = Effektstärke (Cohen's d; .20 = schwacher, .50 = mittlerer Effekt
Sozial integriert = eingebunden in Schule, Berufsbildung oder Arbeit

 

 
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